G7-Gesundheitsminister verabschieden mit Berlin-Erklärung globale Antibiotika-Strategie

Die Gesundheitsminister der G7-Staaten haben gemeinsame Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung multiresistenter Keime zu stoppen. Am zweiten Tag ihrer Konferenz formulierten sie dies in der „Berlin-Erklärung zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen“. Außerdem sind Anreize zur Förderung von Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten in der Diskussion.

Wer die Ausbreitung von multiresistenten Keimen aufhalten will, der muss Ländergrenzen überwinden, daran lassen die Gesundheitsminister der G7-Staaten keinen Zweifel. Und darum ziehen sie an einem Strang. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sagte zur Berlin-Erklärung: „Nur mit gemeinsamen internationalen Anstrengungen werden wir die Menschen auch in Deutschland wirksam vor multiresistenten Keimen und grenzüberschreitenden Epidemien schützen können.“ Um dies umzusetzen, haben sich der Minister und seine Amtskollegen aus den wichtigsten Industriestaaten bei der Konferenz, an der auch WHO-Generaldirektorin Margaret Chan teilnahm, auf einige Maßnahmen geeinigt.

Mit der Umsetzung der Berlin-Erklärung soll die bedrohlicher werdende Entwicklung aufgehalten werden. Das Haushalten mit den noch funktionierenden Ressourcen spielt kurz- und langfristig eine wichtige Rolle. Die Präparate sollen künftig sachgerecht, nur noch auf Rezept erhältlich sein. Für einige Länder wäre das ein Novum. Dort muss nicht immer ein Arzt ein Antibiotikum erst verschreiben. Um dies zu verändern, sollen Länder mit „schwächer aufgestellten Gesundheitswesen bei der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen unterstützt werden“, so die Minister.

Anreize zur Entwicklung neuer Antibiotika

Eine weitere Maßnahme ist die Etablierung eines internationalen Antibiotika-Expertengremiums. Darüber hinaus wollen die Minister die Entwicklung neuer Medikamente gegen die gefährlichen Keime vereinfachen. Sie sprachen sich dafür aus, die national noch unterschiedlichen Zulassungsverfahren anzupassen. Das gilt auch für die Bedingungen für künftige klinische Studien. Ziel sei es, so die Minister, dass Antibiotika schneller für Therapien zur Verfügung stehen.

 

Auch die Anreize für Neuentwicklungen waren ein viel diskutiertes Thema. Wie dies im Einzelnen gehandhabt werden soll, wurde noch nicht beschlossen. Maßnahmen wie etwa ein globaler Antibiotika-Forschungsfonds sollen geprüft werden. Diskussionsthema war ebenfalls ein Prämiensystem für den Markteintritt innovativer Antibiotika. Dies empfiehlt das Gutachten „Breaking through the Wall“, über das die Gesundheitsminister debattierten.

Die pharmazeutischen Unternehmen würden diese Maßnahmen begrüßen. Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), sagte in einer Pressemitteilung: „Wie die Minister sehen wir in Public-Private Partnerships, die staatliche und industrielle Forschung einbeziehen, eine Chance für mehr und schneller verfügbare neue Antibiotika.“ Das gelte ebenso für international harmonisierte Studien- und Zulassungsanforderungen für Antibiotika. „Aber auch wirtschaftliche Anreize für die Entwicklung neuer Antibiotika und Diagnostika sind wichtige Instrumente, um die angewandte Forschung in diesem Bereich zu intensivieren.“

G7-Gesundheitsminister arbeiten Ebola-Krise auf

Einen weiteren wichtigen Punkt stellte die Aufarbeitung der Ebola-Krise in Westafrika dar. Um künftig besser einschätzen zu können, ob sich Epidemien entwickeln und sie besser bekämpft werden können, sollen die örtlichen Gesundheitssysteme gestärkt werden. Daran sollen sich künftig Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und Bernhard-Nocht-Instituts (BNITM) sowie des Bundesinstituts für Arzneimittelsicherheit (BfArM) mit Schulungen von Medizinpersonal beteiligen. Außerdem soll künftig eine schnelle Einheit aus Epidemiologen und Laborexperten des RKI und BNITM aufgebaut werden, die bei Hinweisen auf mögliche Epidemien eingreifen sollen. Ab dem kommenden Jahr soll dies umgesetzt werden. Das Program ist für zunächst fünf Jahre angelegt und kostet 4 Millionen Euro.

Die Gesundheitsminister streben ebenfalls eine Neuaufstellung der Weltgesundheitsorganisation an. Das Augenmerk liegt dabei auf einer besseren Krisenreaktionsfähigkeit. So soll ein Notfallfonds für globale Gesundheitskrisen sowie eine Einsatzgruppe für gesundheitliche Notlagen gebildet werden, die weltweit operieren kann. Die WHO hatte für den Ausbruch und die Ausbreitung der Ebola-Epidemie viel Kritik einstecken müssen. Ihr wurde vorgeworfen das potenzielle Ausmaß der Erkrankungen unterschätzt zu haben.

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